Angebundene Strecken:
Beschreibung:
Der Bahnhof Aachen-West wurde 1910 durch die Königlich-Preußische-Eisenbahn-Verwaltung in Betrieb genommen. Er ersetzte den bisherigen, in der Nähe gelegenen Bahnhof Templerbend, der aufgrund seiner Lage nicht mehr erweitert werden konnte und den damaligen Planungen der Stadt Aachen und der Technischen Hochschule im Wege stand.
Der neue Bahnhof Aachen-West erhielt in seiner ursprünglichen Bauform ein großes Empfangsgebäude, von dem aus die Reisenden, die auf der anderen Seite der Gütergleise gelegenen, Gleise für die Personenzüge erreichen konnten. Das Empfangsgebäude von 1910 wurde im zweiten Weltkrieg, am 25.05.1944, durch einen Luftangriff völlig zerstört. Der Bahnhof erhielt im Jahr 1948 ein neues Bahnhofsgebäude, das bis heute noch erhalten ist. Allerdings ist dieses jetzt einer anderen Nutzung zugeführt.
Der heute noch verbliebene Bahnsteig ist 271 Meter lang und 76 cm hoch. Der einzige Zugang zum Bahnsteig besteht über einen Treppenaufgang in der Unterführung des Seffenter Weges. Ein behindertenfreundlicher Zugang besteht hier nicht. Trotz der hohen Fahrgastzahlen am Haltepunkt gibt es hier keine Bahnsteigüberdachung, sondern lediglich Wartehäuschen. Auf dem Bahnsteig stehen Fahrkartenautomaten bereit.
Gelegen ist der Bahnhof an der Strecke Aachen-Mönchengladbach-Düsseldorf. Weiterhin geht von hier aus die Strecke in Richtung Montzen (B) ab. Diese Strecke war auch der Auslöser für die ausgedehnten Güteranlagen des Bahnhofs, da dieser als Zollabfertigung für die Güterzüge in Richtung Belgien dienten. Ebenso wurden hier auch eine Zeit lang die Züge der Strecke Aachen-Maastricht abgefertigt.
Obwohl der allgemeine Rückgang im schienengebundenen Gütertransport seine Spuren auch in Aachen-West hinterlassen hat herrscht hier meist eine angenehme Geschäftigkeit. Bis November 1992 wurden in Aachen-West auch die Kokstransporte der Zeche Anna in Alsdorf abgewickelt. Eine Doppeltraktion der Baureihe 215 brachte die schweren Kokszüge bis Aachen-West, wo sie von belgischen und zeitweise auch luxemburgischen (!) Lokomotiven übernommen wurden.
Neben den deutschen Güterverkehren sind seit einiger Zeit auch private Logistikanbieter mit ihren Zügen hier zu sehen, die ihre Fracht aus dem süddeutschen und südeuropäischen Raum über Aachen-West in den Antwerpener Hafen transportieren. Dabei werden die Züge dann von belgischen oder deutschen Dieselloks übernommen. Neben diesen Anbietern werden auch eine Reihe von Autotransporten in Richtung Belgien für Ford (DB) und BMW (Hupac/DLC) abgewickelt.
An die große Zeit des Aachener Westbahnhofes erinnern noch heute der Ablaufberg und der lange Güterschuppen. Der Ablaufberg wird heute in seiner ursprünglichen Form nicht mehr genutzt und der Güterschuppen wird anderweitig verwendet. Einige Gleise haben die Zeit nicht überlebt und sind (teilweise) demontiert worden. Des weiteren findet seit einigen Jahren keine Containerverladung mehr statt.
Seit der Betriebsaufnahme des Westbahnhofes verfügte der Bahnhof auch über ein eigenes Betriebswerk, daß die von hier aus eingesetzten Lokomotiven betreute. Im Jahre 1978 wurde das Bw Aachen-West in seiner ursprünglichen Form aufgelöst. Weitere detaillierte Informationen zum Betriebswerk Aachen-West und jetzt bereits historische Fotos finden sich auf den Seiten von Guido Radermacher. Die Anlagen des Bw sind heute zum Teil noch erhalten oder aber noch gut zu rekonstruieren.
Heute befinden sich neben dem Fahrdienstleiterstellwerk Awf im Bereich des früheren Rangierbereiches und des Ablaufberges die mechanischen Stellwerke R 1, R 2 und R 3. Als einziges der alten Stellwerke ist derzeit das Stellwerk R 2 noch regelmäßig von Montags bis Freitags in der Früh- und Nachtschicht besetzt.
Mit ihren Güterzügen sind im Bahnhof Aachen-West die verschiedensten Bauarten der deutschen Güterzuglokomotiven anzutreffen. Stammgäste der Deutschen Bahn sind hier die Baureihen 139 (selten), 140, 145, 151, 152, 155, 185 und 189.
Für den Verkehr in Richtung Belgien stehen neben den Lokomotiven der Baureihe 225 seit Juli 2001 fünf Loks der Baureihe 241.8 bereits. Diese fünf Loks sind die einzigen Loks dieser Unterart und wurden speziell für den Einsatz in Richtung Belgien aus der Baureihe 241 (232) umgebaut. Mit Einführung dieser Baureihe in Aachen wurden die bis dahin in Doppeltraktion verkehrenden Loks der Baureihe 212 ersetzt. Im lokalen Güterverkehr und Rangierdienste werden Lokomotiven der Baureihe 294 und 360/365 eingesetzt, die entweder in Stolberg oder dem Aachener Hauptbahnhof vorgehalten werden.
Neben diesen Loks der Deutschen Bahn AG verkehren natürlich auch Loks der belgischen Staatsbahn NMBS / SNCB zwischen Belgien und Aachen-West. Seit einiger Zeit sind allerdings nur noch Lokomotiven der Baureihe 55 anzutreffen, nachdem die Baureihen 51 und 62 abgestellt, bzw. dem Arbeitszugdienst zugeordnet wurden.
Neben den Lokomotiven dieser beiden Gesellschaften kommen seit einiger Zeit auch vermehrt Lokomotiven privater Anbieter nach Aachen. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge der rail4chem (Baureihe 145, 185, class 66 und ES 64), Hupac (ES 64), DLC (ES 64 und Class 66) und der SBB Cargo (Schweizer Baureihe RE 421 und RE 482, die der deutschen BR 185 entspricht.
Im Personenverkehr finden sich Lokomotiven der Baureihen 111 und 112 vor der Regionalexpreßlinie 4, sowie den Triebzügen der Baureihe 425 als Rhein-Niers-Bahn. Seltener sind seit Dezember 2002 Loks der Baureihen 110. Neben diesen Fahrzeugen verkehren im Halbstundentakt Triebzüge der Baureihe 643.2 der Euregionbahn.
Zukünftig könnte der Aachener Westbahnhof einen Teil seiner Flächen verlieren. Auf einem Teilstück des Bahnhofes soll nach Vorstellungen der Stadt Aachen, des Landes NRW und der RWTH Aachen der "RWTH Aachen Campus" entstehen, der für Forschungsinstitute und Wirtschaftsunternehmen aufnehmen soll. Betroffen hiervon ist der nördliche Bereich des Bahnhofes. Baubeginn soll im Jahr 2009 sein.